Wintersport im Burkhardtsdorf

Ein Lieblings-Tummelplatz der Chemnitzer Ski-Läufer war der bis 642 Meter ansteigende Abtwald und Ausflüge zu den Greifensteinen. Dazu ein Bericht im Chemnitzer Tagebeblatt am 1.12.1910:

Skifahrt des Turnvereins zu Chemnitz

Sonntag, den 27. November 1910

Skifahrt nach den Geifensteinen!

Die Freude war groß in den Reihen der Schneeschuhfahrer des Turnvereins zu Chemnitz ob dieses Wanderrufes. War es doch das erste Mal in diesem Jahre, daß die Natur Gelegenheit bot, die gesundheitsfördernde Leibesübung des Schneeschuhlaufens ausgiebig zu betreiben. So machten denn auch 21 Mann obengenannten Vereins von dieser Gelegenheit Gebrauch und ließen sich in zwei Abteilungen am Sonntag in aller Frühe von dem Dampfroß nach Burkhardtsdorf bringen. Hier wurden die "langen Bretter" angeschnallt und auf Befehl des Führers ging es dem Abtwalde zu. Es war ein wonniges, erhebendes Gefühl, weit entfernt von Dunst und Lärm der Großstadt in der frischen, reinen Winterluft hinauszupilgern in die noch im tiefen Schlummer liegende Natur. Kein Lüftchen rührte sich, kein Laut durchbrach die Stille, nur der eigenartige, gleichbleibende Ton der gleitenden Schneeschuhe und die ab und zu flüchtenden Häslein und scheuen Rehe zauberten Leben auf die weiten, weißen Flächen. So ging es bad auf der Straße, bald auf Abhängen fahrend hinein in den dunklen Tann, der weiß behangen und überladen mit weihnachtlichem Schmucke sich den Teilnehmern in seiner ganzen Winterpracht erschloß und in ihnen allen wohl die rechte Sonntagsstimmung erzeugte. Einen nur mühevoll vorwärtskommenden Wanderer zu Fuß wird ein solch herrlicher Anblick und Genuß nur selten zuteil, graut ihm doch vor dem tiefen Schnee, vor dem steilen Abhang und dem einsamen Wald. Der Tag war mittlerweile angebrochen und als die Rüstigen Gelenau kreuzten und am Forsthaus angelangt waren, zeigten sich die schneeigen Häupter der Greifensteine. Rechts wurde eingebogen und querfeldein gings dem Ziele zu. Jahnsbach wurde noch auf der Abfahrt gekreuzt und bald verrieten die an die Wand gelehnten "Bretter", daß beim Bergwirt Einkehr gehalten wurde. Nachedem die Eindringlinge an Bouillon und Kaffee sich gelabt hatten, wurde durch eine photographische Aufnahme einem etwaigen Vergessen dieses Tages vorgebeugt. Und dann gings auf den Heimweg, der sowohl der nach Burkhardtsdorf zurückwandernden ersten Abteilung, wie auch der nach Dittersdorf laufenden zweiten herrliche Abfahrten ins Tal brachten. Der letzten Abteilung wird die lange Ehrenfriedersdorfer Rodelbahn, die steile Schneise bei der Spinnerei (Gelenau) und das Dittersdorfer Gelände wegen der schönen glatten Fahrten immer in Erinnerung bleiben. Am Nachmittag trafen die Turn"fahrer" frohgemut wieder in ihrer Heimat ein. Hatte doch ein jeder das Bewußtsein, einen herrlichen Tag auf den Schneeschuhen in Gottes freier Winternatur verbracht zu haben.