Die Strumpffabrik Franz Pfau in Kemtau

Die Strumpffabrik Franz Pfau vorm Dachsberg 1925
Die Strumpffabrik Franz Pfau vorm Dachsberg 1925

Familie Pfau zog 1906 nach Burkhardtsdorf. Die Brüder Max und Franz Pfau mieteten zunächst das untere Stockwerk einer Fabrik für ihre Strumpfproduktion. 1907 trennten sich die Brüder und Franz Pfau kaufte in Kemtau eine Fabrik an der heutigen Burkhardtsdorfer Str. 8.

Dieses gesamte Anwesen errichtete 1886 Carl Hermann Uhlig. Zunächst das Wohnhaus, in dem er auch schon einen Saal mit Handmaschinen und Wirkstühlen für 12 Arbeiter einrichtete. 1887 baute er eine Fabrikanlage mit Dampfkessel und erweiterte 1892 seine Fabrik. Zwei Jahre später kam es zur Zwangsversteigerung des gesamten Objektes und Fabrikant Uhlig ging nach Dorfchemnitz.

Es folgte dann ein ständiger Besitzerwechsel, bis es Franz Pfau erwarb. 1908 kaufte er die Flurstücke 70 und 71 dazu. 1915 beschäftigte er 81 Fabrikarbeiter und 76 Heimarbeiter. 1921 wurde die Fabrik durch Um- und Neubau auf 300 Mitarbeiter erweitert.

Die abgebildete Ansichtskarte von 1925 zeigt links die Schule Kemtau, oberhalb davon die Rehwiese, rechts davon den Dachsberg. Davor sieht man die noch völlig unbebaute Burkhardtsdorfer Straße. Die großen Gebäude in der Mitte sind das Verwaltungsgebäude und die Strumpffabrik Pfau. Ganz rechts ist noch die Villa Pfau zu erkennen.

Als 1935 der Zusammenschluss von Eibenberg mit Kemtau erfolgte, wurden auch Informationen zur damaligen Situation der Industrie im Ort erhoben. Die Strumpffabrik Franz Pfau war mit 234 Arbeitern die mit Abstand größte Fabrik in der neuen Einheitsgemeinde.

Das Landhaus von Franz Pfau

Visitenkarte der Firma Franz Pfau
Visitenkarte der Firma Franz Pfau

1922 stellte Franz Pfau den Antrag auf Bau eines Landhauses. Im August 1923 erhielt er die Genehmigung, auf Flur 70 ein „Landhaus mit Einfriedung“ zu errichten. Interessant ist auch, dass zu dieser Zeit (Inflation) die Genehmigungsgebühren 915.800 M betrugen. ln den Bauauflagen hieß es:

„Spülaborte sind unzulässig. Es ist eine gewöhnliche Abortgrube anzulegen und der Inhalt abzufahren. Die Kellerwohnung muss mindestens eine lichte Höhe von 2,85 m erreichen. Das Baugrundstück kann in den jetzigen

Wegfluchten vorläufig eingefriedet werden. Die Veränderung der Einfriedung bei einem Ausbau der Wege hat der jeweilige Besitzer auf seine Kosten vorzunehmen. Das beim Ausbau erforderliche Land ist unentgeltlich und kosten- pfand- und oblastenfrei an die Gemeinde abzutreten und zu dem Ausbau ist anteilig beizutragen.“ Quelle: Zwönitztalkurier September 2013

Die abgebildete Visitenkarte der Strumpffabrik zeigt das gesamte Ensemble in der Vorkriegszeit. Das Landhaus ist ganz links zu sehen. 

Das Landhaus heute vom Südweg aus
Das Landhaus heute vom Südweg aus

Auch heute ist dieses villenartige Wohnhaus im Besitz der Erben und steht unter Denkmalschutz.

Die Strumpffabrik 1945
Die Strumpffabrik 1945

Für die Strumpffabrik endete der 2. Weltkrieg nicht so glimpflich. Sie wurde am 14. Februar 1945 durch anglo-amerikanische Bombenangriffe schwer beschädigt. Die Dachgeschosse von Strumpffabrik und das ehemalige Wohnhaus wurden zerstört. Nach dem Tod des Firmengründers Franz Pfau im Jahre 1956 wurde das Unternehmen ab 1957 als Kommanditgesellschaft weitergeführt. Ab 1959 mit staatliche Beteiligung.

1972 erfolgte dann die Verstaatlichung aller ehemals privaten Fabriken. Auch die Strumpffabrik Franz Pfau wurde in einen VEB umgewandelt. Später wurde die Fabrik eine Betriebsstätte des VEB "Nähfaden Oederan".

Heute befindet sich in der Fabrik eine Metallbaufirma
Heute befindet sich in der Fabrik eine Metallbaufirma