Der Kalkofen

Partie am Kalkofen Quelle: Bildarchiv Gemeinde Burkhardtsdorf
Partie am Kalkofen Quelle: Bildarchiv Gemeinde Burkhardtsdorf

Der Kemtauer Ortsteil Kalkofen liegt etwa 1 km östlich der Ortslage Kemtau. In den Jahren um 1860 wurde dort kalkhaltiges Gestein abgebaut und in einem Kalkofen gebrannt. Um den Kalkofen entstanden mehrere Gebäude, die den Grundstein für den heutigen Ortsteil legten. Die nebenstehende Abbildung zeigt die Reste des Kalkofen in den 1920er Jahren.

Partie am Kalkofen Quelle: Ansichtskarte um 1920
Partie am Kalkofen Quelle: Ansichtskarte um 1920

Noch einmal das gleiche Motiv aus einem anderen Blickwinkel.


Weg zum Kalkofen 2014
Weg zum Kalkofen 2014

Heute ist der Kalkofen eine Ruine, der Gebäudekomplex besteht aus Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und daneben entstand eine Bungalow-Siedlung.

Der Kalkofen war in den 1970er und 80er Jahren ein beliebtes Ausflugsziel. Alljährlich fand am Pfingstsonntag das Pfingstsingen statt. Leider gerät der Kalkofen heute immer mehr in Vergessenheit.

Zur Geschichte des Kalkgewinnung in Kemtau findet man in dem Buch " 550 Jahre dörfliches Leben Kemtau / Eibenberg" einen umfassenden Beitrag. Die folgenden Informationen stammen aus diesem Beitrag. 

Wandert man durch Kemtau's Wälder stößt man immer wieder auf markante Felsansammlungen. Sie bestehen aus Phyllitt, ein meist grünlich-grauer, seidig glänzender Schiefer, der oft Verunreinigungen z.B. Kalk enthält. Dieser Kalkphyllitt im späteren Ortsteil Kalkofen wurde durch den bekannten sächsischen Lagerstättenforscher Carl Hermann Müller (1823-1907), in Fachkreisen auch Gang-Müller genannt, in der Mitte des 19. Jahrhunderts dokumentiert.

Seine Ausführungen riefen dann zwei Chemnitzer Advokaten auf den Plan, die den Betrieb wie es heißt mit spekulativen Hintergedanken aufnahmen. Das war im Jahre 1858. Einer der Beiden ist der um 1860 verstorbene Otto Ludwig Hübner. Sein Kompagnon war möglicherweise Heinrich Adolph Widemann, der sich seit 1862 im Kalkwerk Grießbach beteiligte. Allerdings hatten sie wohl etwas voreilig mit Aufbau des Kalkwerkes begonnen, da das Vorkommen noch nicht vollständig erschlossen war. 

Zur Erkundung des Vorkommens wurden auf dem Grund und Boden des Lehnrichters Röber drei senkrechte Schächte gegraben. Der Abbau erfogte dann über einen waagerechten Stollen von letztendlich 47 m Länge. Um das Wasser aus dem Stollen zu pumpen, wurde vor dem Mundloch (Stolleneingang) ein ca. 5 m hohes hölzernes Kunstrad errichtet. Damals wurden Pumpwerke auch als Wasserkunst bezeichnet. Das Hauptbauwerk war jedoch der Kalkofen. Er diente der Weiterverarbeitung des kalkhaltigen Gesteins und verfügte über 3 Kessel, von denen jeder 110 Scheffel (ca. 11 m³) faßte. Als Brennmaterial kam Steinkohle von Flöha zur Anwendung. Es sollen zwischen Juli 1858 und März 1859 über 2000 Scheffel (> 200 m³) Düngekalk verkauft worden sein.

Der Kalkofen 2014
Der Kalkofen 2014

1860 war dann die Kemtauer Bergbaugeschichte am Ende. Carl Hermann Müller kommt in seinem am 9. Juli 1860 abgefassten Gutachten zu folgendem Schluss:

„So weit die jetzigen Aufschlüsse reichen, ist das Kalksteinlager durchweg als unbauwürdig zu bezeichnen, denn die hin und wieder auftretenden reineren Kalksteinparthien sind so schmal und von so geringer Ausdehnung, daß sich ihre Gewinnung keineswegs verlohnt“.

Die Folge waren zu hohe Kosten. Der Abbau einer Rute (ca. 9-10 m³) Kalkphyllitt kostete 36 Taler 3 Neugroschen, der Verkauf des Düngekalks brachte jedoch nur 22 Taler 2 Neugroschen 5 Pfennige. Der Verlust betrug also 14 Taler und 5 Pfennige pro Rute. Damit war das Schicksal des Kalkofens besiegelt. Heute, nach 150 Jahren, sind die Reste des Kalkofens fast verschwunden. Schade eigentlich.