Die Strumpffabrik Max Pfau

Die Strumpffabrik Max Pfau auf einer Visitenkarte
Die Strumpffabrik Max Pfau auf einer Visitenkarte

Die Brüder Max und Franz Pfau kamen 1906 nach Burkhardtsdorf und mieteten die untere Etage einer vorhandenen Fabrik. Sie gründeten in dem Gebäude, das schon eine Strumpf- und eine Nadelfabrik beherbergte, eine eigene Strumpffabrik. Franz Pfau wechselte jedoch Ende 1907 in gutem Einvernehmen nach Kemtau. 

Anfang 1909 wurde Max Pfau von seinem Vermieter aufgefordert, das Gebäude zu kaufen oder zu räumen. Er entschied sich zum Kauf eines 1,5 ha großen Gutshofes in der Eibenberger Straße 25. Dort errichtete er eine neue Strumpffabrik, die er schon Ende 1909 mit 50 Arbeitern in Betrieb nahm.

Die Strumpfabrik des Max Pfau Quelle: Bildarchiv der Gemeinde Burkhardtsdorf
Die Strumpfabrik des Max Pfau Quelle: Bildarchiv der Gemeinde Burkhardtsdorf

Links oben im Bild sieht man das Wohnhaus von Kurt Pfau, einem Sohn von Max und Minna. Ganz rechts die Villa Pfau. Links davon das Garagengebäude. Diese drei Häuser sind heute noch vorhanden.

Das Arbeitspersonal von 1915  Quelle: Fundus von Michael Pfau
Das Arbeitspersonal von 1915 Quelle: Fundus von Michael Pfau

Durch erfolgreiche Arbeit konnte die Strumpffabrik bis zum Ersten Weltkrieg weiter expandieren. Bis 1914 erhöhte sich die Belegschaft auf 150 Arbeiter. Während des 1. Weltkrieges musste die Fabrik allerdings wegen Materialmangels schließen. Die Erfolgsgeschichte setzte sich anschließend fort. 

Quelle. Bildarchiv Gemeinde Burkhardtsdorf
Quelle. Bildarchiv Gemeinde Burkhardtsdorf

Durch den Ankauf des Geländes der Jahn-Mühle, konnte eine Anlage zum Merzerisieren der Baumwollgarne geschaffen werden. Dieses kostspielige Verfahren verbesserte die Qualität der verwendeten Garne deutlich und wurde für hochwertige Produkte eingesetzt. Zur Strumpffabrik gehörte auch eine Färberei und Bleicherei auf dem gleichen Gelände.

Die nebenstehende Abbildung zeigt die Färberei und die ehemalige Jahn-Mühle im Jahre 1940.

 

Quelle Bildarchiv Gemeinde Burkhardtsdorf
Quelle Bildarchiv Gemeinde Burkhardtsdorf

Der endgültige Durchbruch gelang dann mit dem Einsatz der 24-fonturigen Keilfersen-Cottonmaschine der Wirkmaschinenfabrik Gottfried Hilscher aus Chemnitz, die ab 1917 gebaut wurde. So eine Hochleistungsmaschine konnte 24 Strümpfe gleichzeitig herstellen. 

Max Pfau in seinem Privatkontor 1938   Quelle: Fundus Michael Pfau
Max Pfau in seinem Privatkontor 1938 Quelle: Fundus Michael Pfau

1921 gab es für die Strumpffabrik eine völlig neuartige Einrichtung: eine Werksküche, in der auch Obst und Gemüse aus eigener Produktion verarbeitet wurden.

1932/33 erweiterte Max Pfau das Angebot durch die Herstellung von Herrensocken und 1936 begann die Produktion von feinmaschigen Damenstrümpfen. 

Quelle Bildarchiv Gemeinde Burkhardtsdorf
Quelle Bildarchiv Gemeinde Burkhardtsdorf

Die Zahl der Beschäftigten Arbeitskräfte betrug zeitweilig bis zu 800. Als Stellvertreter des Betriebsführers, kaufmännischer und technischer Leiter arbeitete 1938 Kurt Pfau, der älteste Sohn Max Pfaus. In dem Jahrzehnt vor dem Zweiten Weltkrieg erreichte das Unternehmen seinen wirtschaftlichen Höhepunkt. Die Produktion war voll ausgelastet und die Produkte mit dem Warenzeichen "Pfauenmarke" weltweit anerkannt.

Der Anfang vom Ende

Mit Beginn des Krieges 1939 wurde die Situation schlechter. Die Materialbeschaffung wurde schwieriger und die männlichen Arbeitskräfte wurden zum Militärdienst eingezogen. Im weiteren Verlauf verschlimmerte sich die Situation und es kam zu Betriebsstilllegungen. Auch im Großraum Chemnitz-Zwickau hatten nach einem Erlass im Januar 1943 schon 280 Betriebe, darunter auch viele Strumpffabriken, Stilllegungsbescheide erhalten. Dadurch sollten Arbeitskräfte für die Rüstungsindustrie freigestellt und Energie gespart werden. Um wenigstens teilweise weiterarbeiten zu können, wurden immer wieder offizielle Anträge auf die Genehmigung von Auskämmungen gestellt. Dabei wurde nicht die gesamte Belegschaft zur Arbeit in einem kriegswichtigen Betrieb versetzt, sondern nur die geeigneten Arbeiter ausgewählt. Die Anderen durften weiter arbeiten.

Auch Max Pfau stellte einen solchen Antrag. "Bei der Strumpffabrik Max Pfau aus Burkhardtsdorf zog sich das Verfahren über mehrere Monate hin, bis der Generalbeauftragte die Genehmigung zur Weiterführung der Kinderstrumpffertigung mit den nicht für die Rüstung geeigneten Kräften gab. Gleichzeitig ordnete er jedoch die Abgabe von 125 der noch 147 Beschäftigten an. Dies bedeutete nach Ansicht des Unternehmens die Einstellung der Strumpffabrikatation, zumal die Firma zum Zeitpunkt, als sie über diese Entscheidung unterrichtet wurde, bereits weitere 18 Beschäftigte durch Einberufung, Krankheiten und Schwangerschaften verloren hatte, ihr mithin noch vier Beschäftigte in der Strumpffertigung verblieben." (1)

Anfang 1944 kam es auf Grund der Bombardierungen der Industriestandorte eine Umkehrung der Bewegung. Waren es ein Jahr zuvor die Arbeiter, die in die Rüstungsbetriebe geschickt wurden, kam es nun zur Verlagerung der Produktion samt Menschen und Maschinen von den Städten in die stillgelegten Fabriken. Auch die in Chemnitz ansässige Auto Union AG nutzte diese Möglichkeit. "In der Endphase des Zweiten Weltkriegs mußten zahlreiche Fertigungszweige zum Schutz vor Fliegerangriffen in stillgelegte Textilfabriken im Zschopauer Umland ausgelagert werden, insbesondere nach Marienberg, Waldkirchen, Gornau und Burkhardtsdorf." (2)

Am 1. Februar 1944 wurde ein Mietvertrag abgeschlossen mit dem Ziel der Teilverlagerung der ZVA zur Strumpffabrik Max Pfau (Burkhardtsdorf). Die ZVA war die Zentrale Versuchsanstalt der Auto Union AG für alle 4 Chemnitzer Werke. Auch die Strumpffabriken Gustav Frische und Rudolf Drechsel wurden in die Verlagerung einbezogen. Auch die Wanderer Werke AG in Siegmar-Schönau verlagerte Teile der Produktion in das Erdgeschoß der Strumpffabrik Pfau wie aus einer Archivalie des Sächsischen Staatsarchiv's mit dem Titel "Verlagerung von Teilen der Wehrmachtsfertigung zur Firma Max Pfau, Burkhardtsdorf, Abrechnungen und Abwicklung des Verlagerungsbetriebes" hervorgeht. (3)

Quelle: Bildarchiv Gemeinde Burkhardtsdorf
Quelle: Bildarchiv Gemeinde Burkhardtsdorf

Am 14. Februar 1945 wurde Burkhardtsdorf bombardiert und viele Gebäude zerstört. Dazu gehörte auch das Gebäude der ehemaligen Jahn-Mühle, das zur Strumpffabrik gehörte und als Färberei diente. Die Abbildung zeigt die Ruine der ehemaligen Färberei, das abgerissen werden musste. Die Strumpffabrik selbst wurde nicht getroffen.

Der Angriff durch britische Bomberbesatzungen galt nicht Burkhardtsdorf sondern Chemnitz. Die Stadt sollte ein ähnliches Inferno erleben wie tags zuvor Dresden. Durch das schlechte Wetter an diesem Tag wurde das Stadtzentrum jedoch verfehlt und dafür die Vororte im Süden von Chemnitz getroffen. 

Während der sowjetischen Besatzungszone

Nach Kriegsende begannen ab August 1945 im Rahmen von Reparationszahlungen im großen Stil Demontagen von Produktionsbetrieben. Auf Grund der hohen Kriegsschäden in der Sowjetunion war die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) am stärksten betroffen. Auch die Chemnitzer Werke der Auto Union AG wurden Demontiert und die Maschinen in die Sowjetunion transportiert. Im SBZ Archiv Band 11 wird nach den Auto Union Hauptwerken auch "Auto-Union AG., Zweigwerk Burkhardtsdorf (Fa. Max Pfau und Gustav Frische) Demontage zu 100 %"  (4) auf. Im Gegensatz zu den großen Industriebetrieben wurde die Strumpffabrik Pfau nicht sofort verstaatlicht. Die Pfau's konnten wieder Strümpfe produzieren. 

Allerdings wurde bei den noch erhaltenen Privatfirmen ständig nach Gründen gesucht um sie zu verstaatlichen. "Die Firma Max Pfau, Strumpffabrik, Burkhardtsdorf im Kreis Chemnitz, warf 1948 einen Betriebsgewinn von 19380 DM aus, aber in selben Jahr wurden 218 100 DM dem Betrieb zur privaten Verfügung entnommen. Den Privatunternehmen sei gesagt, dass sie durch den Aufschwung der Wirtschaft auf Grund der Wirtschaftsplanung bedeutenden Nutzen haben, daß sie aber auch gesetzliche Bestimmungen über die Steuerleistungen erfüllen müssen" (5).

Zur DDR Zeit und nach der Wiedervereinigung

Quelle Bildarchiv Gemeinde Burkhardtsdorf
Quelle Bildarchiv Gemeinde Burkhardtsdorf

1952 wurde Max Pfau enteignet und die Fabrik wird Treuhandbetrieb unter Leitung von Hans Lasch. Unter dem Namen Max Pfau KG werden in der DDR weiter Strümpfe produziert. 1972 erfolgte die Überführung der restlichen privaten und halbstaatlichen Betriebe in Staatseigentum. Mit diesem Schritt sollten auch die ehemaligen Firmennamen verschwinden. Die Strumpffabrik hieß nun VEB Kinderstrumpffabrik Burkhardtsdorf.

Irgendwann wurde der Betrieb eingestellt und in den 1990er Jahren die Fabrik abgerissen.

Heute

Das heute noch erhaltene Gebäude ehemaligen Färberei
Das heute noch erhaltene Gebäude ehemaligen Färberei

Ein noch erhaltenes Gebäude der einstigen Färberei gehört heute zu einem Gewerbepark in der Mühlstraße 1.

Reste der Strumpffabrik Max Pfau 2014
Reste der Strumpffabrik Max Pfau 2014

In der Eibenberger Straße erinnert nur noch ein leerer Platz an den Standort der Strumpffabrik von Max Pfau. Das Garagengebäude und die Villa der Familie Pfau stehen noch.

Quellen

(1) Kooperation und Effizienz im Dienste des Eroberungskrieges, Silke Schuhmann, Vandenhoeck & Ruprecht, 2016

(2) Findbuch Auto Union AG, Martin Kukowski, Mitteldeutscher Verlag, 2000

(3) Sächsisches Staatsarchiv, 31030 Wanderer-Werke AG, Siegmar-Schönau, Nr. 950

(4) SBZ-Archiv Band 11, Verlag Kiepenheuer und Witsch, 1960

(5) Zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung: aus Reden und Aufsätzen, Band 3, Walter Ulbricht, Dietz, 1956

 

 


Anschauungsmaterial aus alten Tagen

Die Belegschaft der Strumpffabrik 1965
Die Belegschaft der Strumpffabrik 1965
So war das damals
So war das damals