Warum hat mein Smartphone in Kemtau keine LTE-Verbindung?

Funkmasten in Eibenberg
Funkmasten in Eibenberg

Vor reichlich einem Jahr waren die Funklöcher im Erzgebirge ein großes Thema:

"Der 1. Digitalgipfel im Erzgebirgskreis war aus Sicht der Freien Demokraten ein Erfolg.

Am 20.06.2018 hatten die Liberalen die Mobilfunkanbieter, den Verantwortlichen des Landkreises und den FDP Bundestagsabgeordneten Torsten Herbst zu einer Podiumsdiskussion geladen und wollten wissen, wann und wie die lästigen Funklöcher geschlossen werden können.

Heiko Schmuck, Kreisvorsitzender der FDP im Erzgebirgskreis erklärt dazu: „Die Ära der Funklöcher wird beendet und wir werden mit den Bürgern und Bürgermeistern nun konkret auf die  Mobilfunkanbieter zugehen können und das Versprechen einfordern, dass sich um jedes Funkloch gekümmert wird. Die Bereitschaft und die technischen Möglichkeiten sind gegeben, nun geht es um das Handeln.

Immer noch werden uns Funköcher gemeldet und alle werden sortiert mit den Verantwortlichen besprochen und bearbeitet. Wir freuen uns über diese Zusage von Vodafone und Telekom und hoffen auf schnelle Ergebnisse.“

Leider ist hier nur von Telekom und Vodafone die Rede, es gibt aber auch noch O2 (Telefonica). Wem gehören nun die zwei Sendemasten in Eibenberg?

EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur
EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur

Beide Standorte sind in einer Datenbank aller Mobilfunkmasten der Bundesnetzagentur aufgeführt. Leider ist diese Information völlig nutzlos. Klickt man auf das Info-Symbol bekommt man eine nichtssagende Tabelle, aber nicht zu welchem Anbieter die Masten gehören. Da mein O2 Smartfone nur eine 2G-Verbindung anzeigt (eine schnelle LTE-Verbindung wäre 4G), scheinen die Masten auf den ersten Blick von der Telekom und Vodafone zu sein. Muss ich also noch einen zweiten Vertrag abschließen, wenn ich eine aktuelle Stauprognose für meine Heimfahrt nach Halle abrufen möchte? Oder muss ich warten bis O2 einen eigenen Mast mit Antenne und natürlich einer eigenen Energieversorgung (vom zusätzliche Elektrosmog ganz abgesehen) neben die zwei vorhandenen Funkmasten aufgestellt hat?


Der zweite Blick auf die Web-Seite von O2 zeigt ein anderes Bild. Angeblich gehört einer der beiden Masten O2, glaubt man der folgenden Darstellung.

Netzverfügbarkeit von O2 in Kemtau am 2.8.2019
Netzverfügbarkeit von O2 in Kemtau am 2.8.2019

Laut Netzverfügbarkeit des Anbieters O2 sieht das alles gut aus. Nun war ich am 2.8.2019 in Kemtau. Von einer LTE Verbindung (im Freien) kann keine Rede sein. Genauer zeigt die App Breitbandmessung in ganz Kemtau permanent nur 2G oder 3G an. Eine gezielte Lüge von O? Warum fällt mir dazu immer das Unwort "Schummelsoftware" ein?

Diese App von der Bundesnetzagentur, die es seit Herbst 2018 gibt, sollte inzwischen genug Daten gesammelt haben um eine detaillierte grafische Darstellung der aktuellen Netzabdeckung der einzelnen Mobilfunkanbieter zu ermöglichen. Auf der Internetseite dieser Agentur findet man nur veraltete Daten von 2018 verbunden mit nichtssagenden Kartenmaterial. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Netzabdeckung so miserabel ist, dass das Bundesverkehrsministerium die Veröffentlichung unterbindet.

Nun wird nur noch über die fünfte Generation des Mobilfunks (5G) geredet. Dann hat jede Antenne nur noch eine Reichweite von einem Kilometer. Diese sollen dann flächendeckend das ganze Land überziehen. Beteiligt sind dann 4 Anbieter, sollen nun an jedem von 10.000en neuen Standorten vier Masten mit 4 Antennen aufgestellt werden? Wer ist eigentlich dafür zuständig? Hierzu nochmal die FDP-Erzgebirge:

"Dazu haben wir am 21. August 2018 die komplette Liste der Funklöcher an den aktuellen Bundesminister Andreas Scheuer sowie den Mobilfunkanbietern verschickt und fordern nun den zügigen Ausbau der Infrastruktur in unserer Region."

Also der Minister für "gesunden Menschenverstand" ist dafür zuständig. 

Heute haben wir wieder einen August - ein Jahr ist vergangen, nichts hat sich geändert und der Bundesverkehrsminister ist immer noch im Amt - trotz Dieselskandal, Mautdesaster und einem Mobilfunknetz wie in einer Bananenrepublik.


Aktuell dazu Heiko Schmuck (FDP): "Um den Druck weiter auf die Mobilfunknetzanbieter zu erhöhen, habe ich über die Bundesnetzagentur Fragen zu Ausbaustand, Sendemastauslastung, und auch Sendemastplanung gestellt und nun Antworten erhalten.

Infos dazu folgen!  Jetzt geht die Funklochsuche in die zweite Runde und neben Funklöchern suche ich jetzt mögliche kommunale und auch private Standorte, um die Bereitstellung von Sendemasten zu ermöglichen."

"Jetzt erhielt Schmuck endlich Antwort auf seine im September 2018 an die Bundesnetzagentur gestellten Fragen, wie beispielsweise die nach der Anzahl der Sendemasten der einzelnen Mobilfunkanbieter. Demnach seien bei der Telekom aktuell 90 Mobilfunkstandorte im Erzgebirgskreis in Betrieb, 149 in Regie von Vodafone und 140 von Telefonica (also E-Plus und O2). Geplant habe die Telekom des Weiteren in 24Orten bis zu 39 neue Standorte für Sendemasten. Und auch Vodafone führt 40 LTE-Baumaßnahmen durch. Telefonica, so geht aus dem Antwortschreiben der Bundesnetzagentur hervor, plane zudem bis Ende 2021 an nahezu jedem Standort LTE zu realisieren."

aus: Freie Presse vom 1.8.2019


Gab es da nicht eine ganz einfache Lösung "lokales Roaming genannt"? Also Anbieter ohne einen eigenen Funkmast nutzen den Mast und die Antenne eines vorhandenen Standortes gegen eine Gebühr mit. Eine Methode die problemlos bei Festnetzanschlüssen, den Stromanbietern oder dem Schienennetz funktioniert. Beim Mobilfunk angewendet, würde sofort ein positiver Effekt eintreten und die Kosten deutlich gesenkt werden. Was ist daraus geworden? Lesen Sie hier.