Das bin ich 1959
Das bin ich 1959

Meine erste Begegnung mit dem Erzgebirge liegt nun 55 Jahre zurück. Damals war ich im Vorschulalter und wohnte in der Nähe von Halle/Saale. Mein Großvater hatte einen Freund oder besser Kameraden aus Kriegszeiten, der mit seiner Familie in Burkhardtsdorf lebte. Für uns war es immer eine willkommene Abwechslung von unserem "Flachlanddasein" diese Familie in Burkhardtsdorf zu besuchen. Vom Wald und den Bergen waren alle begeistert. Unsere Gastgeber, die Familie Scheibner, wohnte im Dachgeschoß eines Garagengebäudes (heute Eibenberger Str. 25) der ehemaligen Strumpffabrik Max Pfau.

Von dort ging es dann zu Ausflügen in den Wald und die nähere Umgebung. Einer dieser Wege ging auf den Berg gleich hinter dem Haus zur sogenannten "Himmelswiese". Dazu führte der Weg über das Nachbargrundstück auf dem eine eindrucksvolle Villa mit einem gepflegten Park stand. Im Park wurden alte Herrschaften von Pflegern in die Sonne geschoben und das Ganze galt als Sanatorium. Für Geschichte interessierte sich damals niemand, was wohl an der noch nicht lange zurückliegenden Nazizeit lag. Heute finde ich die Historie von alten Gebäuden oder Einrichtungen faszinierend und Dank des Internets findet man eine Menge an Informationen auch zu dieser Villa.

 

Hausbau 1962
Hausbau 1962

Anfang der 1960er Jahre wuchs dann der Wunsch ein eigenes Stück Land zu kaufen um darauf ein "Wochenendhaus" zu bauen. Dieser Trend, der damals aufkam, lag wohl an fehlenden Urlaubsangeboten. Man konnte mit so einem Häuschen im Grünen das ganze Jahr über seine Freizeit genießen. Unsere Burkhardtsdorfer Bekannten halfen dabei ein passendes Grundstück zu suchen, was dann im Nachbarort Kemtau, am Waldweg, gelang. 1962 konnte dann mit der Materialbeschaffung und dem Bau begonnen werden. Von da an waren wir alle jedes freie Wochenende in Kemtau und für mich begann eine wunderbare Kindheit. Das Häuschen wurde dann immer wieder erweitert und der Aufenthalt im Erzgebirge immer angenehmer. 

Winterspaß
Winterspaß

Ein besonders Kapitel war jedoch der Winter im Erzgebirge. Schon die Anfahrt war ein Problem. Man brauchte Winterreifen, Frostschutzmittel und Schneeketten. Alles Dinge also, die es nicht gab in der DDR. Dazu kam das Heizungsproblem. Wir hatten einen Kanonenofen, der bei Minusgraden von über -20 ° C, Tag und Nacht beheizt werden musste. Auch die benötigte Kohle musste mitgebracht werden. Dennoch war so ein Winteraufenthalt in den Bergen ein unvergessliches Erlebnis.

 

Auf dem Übungshang
Auf dem Übungshang

Hatte man die Herausforderungen des Winters überwunden, kam der Wunsch auf, auch an den Vergnügungen des Winters teilzunehmen. In den 1960 und 70er Jahren war es noch völlig normal, dass in Kemtau und Umgebung Ski gefahren oder gerodelt wurde. Um als Flachlandbewohner daran teilzunehmen, brauchte man zunächst eine gewisse Ausrüstung. Ein Paar Ski und passende Skischuhe konnte man beschaffen und das für die Außentemperatur passende Skiwachs gab es auch. Was dann noch zu tun war, ist üben. Das konnte man am besten auf einem Hang ohne Zuschauer, denn meistens wälzte sich der Anfänger im Schnee herum und konnte nicht wieder aufstehen.

Mit unseren Nachbarn durch den Winterwald
Mit unseren Nachbarn durch den Winterwald

Einfacher war da Skilanglauf durch die verschneiten Wälder. Ein Tagesausflug von Kemtau zur Besenschänke war bei sonnigem Winterwetter ein großer Spaß.


Heute verbringe ich mit meiner Frau viele Wochenenden und manche Urlaubswoche in Kemtau und wir genießen den Aufenthalt immer wieder.

 

Thomas Nittel