Rößlers Materialwirtschaft

Rößlers Materialwirtschaft auf einer alten Ansichtskarte
Rößlers Materialwirtschaft auf einer alten Ansichtskarte

Geht man in Kemtau die Gelenauer Straße hinauf, fällt einem ein altes Wohnhaus gegenüber der Kirche ins Auge. Das Haus ist denkmalgeschützt und war einst ein Fachwerkbau und unter dem Namen Rößler's Materialwarengeschäft bekannt. Im Burkhardtsdorfer Amtsblatt findet sich in der Ausgabe September 2013 ein Artikel über fünf denkmalgeschützte Gebäude in Kemtau. Darunter ist auch die Geschichte des Hauses in der Gelenauer Straße 27 aufgeführt:

Dieses Haus wurde 1848 von Friedrich Anton Müller erbaut und bekam die Brandkatasternummer 33b

für Kemtau. Damals hatte es die Maße von 11,8 x 6.9 m und das Dach war schon mit Schiefer gedeckt. Seine

Witwe ehelichte 1866 Friedrich Wilhelm Weiß. Mit dem Besitzerwechsel erhielt das Haus auch seine Bestimmung. Fortan war es ein Geschäftshaus. Er richtete einen Materialwarenhandel im Erdgeschoß links neben der Haustür ein. 1875 wurde dann auf dem Gelände ein Schuppengebäude mit einer Mangelstube gebaut. Es stand rechts hinter dem Wohnhaus, unmittelbar an der Scheune vom Anwesen 33c, damals ein Bach, heute Gelenauer Str. 29. 1894 erwarb Anna Maria Rößler das Anwesen 33b und führte mit ihrem Mann, Wilhelm Rößler, den Handel von Kolonialwaren fort.

Der Begriff Kolonialwaren stammt aus der Zeit als Deuschland und andere europäische Länder Kolonien in Afrika und Asien hatten. Ursprünglich handelte es sich um Waren aus den Kolonien, später verstand man darunter alles was man an Waren im Haushalt brauchte, z.B. Lebensmittel, Seife, Petrolium und sicher auch Schnaps. Ein "Tante Emma Laden" eben. 

1895 erneuerten und vergrößerten sie das Schuppengebäude. 1897 bekam Wilhelm Rößler eine Anzeige der Baupolizei, da einige Bestimmungen der Brandsicherheit nicht eingehalten wurden. Das Gebäude stand zu nahe an Nachbars Scheune. Also erfolgten mehrmals Veränderungen. Schließlich erhielt dann der Besitzer die Erlaubnis für einen Dachaufbau für dieses Schuppengebäude. In den 1960er Jahren riss man es dann ab, und die Wäschemangel wurde in das Gebäude der Fa. Pfau verlagert. 1913 baute Wilhelm Rößler das Wohnhaus um 2,9 x 2,1m an. Mit dieser Vergrößerung wurde dann auch ein Warenraum hinter dem Laden eingerichtet und im Obergeschoß eine zusätzliche Kammer geschaffen. Die Tochter, Clara Rößler, führte das Geschäft ab ca. 1930 weiter. Ihre Tochter Martha half ihr dabei. Die Mutter heiratete Albert Martin Schuster, der dann 1933 ein Malerhandwerk hier im Anwesen eröffnete.

In diesen Jahren entstand hinter dem Wohnhaus ein Kraftwagenschuppen von 7.0 x 4.5 m, der heute noch steht. Dieses Gebäude wurde das "Heim" genannt, weil hier schon damals ein Fremdenzimmer zu mieten war. Es logierten darin vor allem oft Wintersportler, solange bis Anfang der 1940er Jahre am „Steinhahn“ die Sprungschanze stand.

Das denkmalgeschützte Haus heute
Das denkmalgeschützte Haus heute

Dann dienten die Räumlichkeiten als Malergeschäft von Martin Schuster. Zusätzlich wurden die Ladenräume im Wohnhaus für einen Milchladen vermietet (ca. 1950-1972). Die spätere Besitzerin des Anwesens war bis zu ihrem Tode 2007 Jutta Schuster.

Seit 2010 ist dieses Wohnhaus wieder im Privatbesitz der Firma "Ars Vivendi", die auch wieder ein Gästehaus betreibt.