Die Auenmühle am Mühlenweg 1

Die Aumühle heute
Die Aumühle heute

Geht man in Kemtau den schön gelegenen Mühlenweg entlang, sieht man direkt an der Zwönitz ein Wohnhaus. Heute kann man dort eine Ferienwohnung mieten. Früher war das Gebäude die Aumühle, die dem Mühlenweg seinen Namen gab.

Die Mühle bestand wahrscheinlich bereits im 16. Jahrhundert. Der Name „Auenmühle” ist seit 1605 nachweisbar. 1668 werden als Besitzer die „Aumüller” Johann Christoph Meyer und George Meyer erwähnt.

1828 ersteigerte Friedrich Wilhelm Hofmann die Mühle. 

Die Spinnereizeit
Johann Samuel Schwalbe
Johann Samuel Schwalbe

Zu dieser Zeit taucht ein anderer Akteur in den Quellen auf. Im Handbuch der Geographie: Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen von Albert Schiffner 1839 S.293 taucht unter Eibenberg auf:

"die an der Zwönitz unter Kemptau reizend gelegene Aumühle mit der Schwalbe'schen Baumwollspinnerei"

Es klingt zwar nicht sehr plausibel, dass aus einem Sägewerk kurzerhand eine Baumwollspinnerei wird, aber diese Quelle ist vertrauenswürdig.

Der Initiator dieser Umwandlung ist Johann Samuel Schwalbe. Er gilt als Vorreiter des Maschinenbaus in Chemnitz und die bekannte Maschinenfabrik "Germania" ging auf ihn zurück. Von ihm heißt es:

Im Jahr 1828 erweitert Schwalbe sein Unternehmen durch eine neue Spinnerei mit Wasserkraft in Burkhardtsdorf im Erzgebirge auf einem gepachtetem Grundstück "Aumühle". Die Führung überträgt er seinem ältesten Sohn Friedrich August. Die Spinnerei "Aumühle" wird 1833 ins benachbarte Gornsdorf auf eigenen Boden verlegt.

Schwalbe war übrigens Zimmermann und damals wurden Spinnereimaschinen noch aus Holz gebaut. Er könnte also einen neuen Anbau errichtet haben um eine Baumwollspinnerei zu errichten.

Die Episode der Aumühle als Spinnerei währte nur 5 Jahre. 


Die 1836 einsetzende Waldrodung und Bebauung des Eibenberger „Anbaus“ führte zu einer außergewöhnlichen Auslastung der Schneidmühle (durch Wasserkraft betriebenes Sägewerk) und der zur Mahlmühle (Getreidemühle) gehörenden Bäckerei. Die dementsprechend hohen Einnahmen des Müllers ermöglichten ihm, 1838 seine bis dahin relativ kleine Landwirtschaft um mehrere Feld-, Wiesen- und Waldbodengrundstücke zu vergrößern.

1843 ging die Mühle an Johann Samuel Nietzold über. In seiner Biographie steht:

Er war das achte Kind und stammte aus einem Bauerngut in Burkhardtsdorf. Er hatte 2 Söhne und 1 Tochter. Kaufte mit 18 Jahren für 4000 Reichsthaler am 18.02.1820 von seinem Schwiegervater das Ganzhufengut (neben Lehngericht) und verkaufte es 1843 an ein Spekulanten-Quartett für 7900 Thaler. 1850 brannte das Gut ab, nur die "Nietzoldscheune" steht noch. Ab 1843 Besitzer der Auenmühle, Mühlenweg 1. Er war 1860 nach Einschätzung des Gemeinderates der "Spitzenverdiener" von Eibenberg. 1865 ist Johann Samuel Nietzold Hausbesitzer Bergstraße 47.

Seit 1861 gehörte die Auenmühle der Müllerfamilie Stiefel. Zunächst von Heinrich Stiefel betrieben, wurde die Mühle seit 1885 von den Gebrüdern Stiefel weitergeführt und wurde Stiefelmühle genannt.

1918 überham dann Paul Stiefel die Mühle. Dessen Sohn Karl Stiefel Senior hat das Sägewerk 1972 aus Altersgründen eingestellt.