Das rätselhafte Denkmal für Michael Uhlich

Foto des Denksteins von 1920
Foto des Denksteins von 1920

Der abgebildete Gedenkstein für die Kemtauer Fuhrmannsfamilie Uhlich stand bis Mitte des 20. Jh. auf dem Burkhardtsdorfer Friedhof gegenüber dem Pfarrhaus. Sowohl das Denkmal als auch das Leben des legendären Land- bzw. Salzfuhrmanns Michael Uhlich gibt so manches Rätsel auf. Er wurde 1682 in Kemtau geboren und starb 1749.

Der Grabstein enthielt wie üblich einige Aphorismen und Sinnsprüche.

Ganz oben:

Bei uns die Lebens Sonne untergeht, an jenem Ort viel heller steht

Darunter zwei Zeilen aus einem Liedtext:

Es kann vor Nacht leicht anders werden, als es am frühen Morgen war

Die eigentliche Inschrift zum Grund des Gedenkens folgt im Hauptteil des Stein's:

Dieser Denkstein wurde zum liebevollen Andenken des am 25ten Septbr. 1749 christlich verstorbenen Michael Uhlig Gutsbesitzer u. Landfuhrmann in Kemtau gesetzt und von seinem Urenkel dem jetzigen gewesenen Gutsbesitzer u. Landfuhrmann Carl Friedrich Uhlig in Kemtau zum Andenken an seine verstorbene Gattin einer geb. Wieland gewidmet. Hier ruhen auch seine sämtlichen Voreltern v. 1552

Ein weiterer Sinnspruch schließt den mittleren Teil ab.

Nur der Glaube an treuliebenden Herzen, mildert der Trennung bittere Schmerzen

Der lateinische Spruch über dem Sockel "Hodie mihi eras tibi" (Heut an mir, morgen an dir), stand damals auf vielen Grab- und Gedenksteinen.

Auf dem Sockel ist ein Fuhrwerk zu sehen und darüber steht in einem kleinen Oval "Von Wien nach Lüneburg". Diese vier Worte geben Anlass zu Legenden. Aber zunächst zum Stein selbst. Im Buch " Kemtau mit der Ortsteilen Eibenberg, Neu-Eibenberg in historischen Bildern" steht folgende Beschreibung:

Grab-Denkstein der seit ca. 300 Jahren in Kemtau ansässigen Fuhrmanns- und Gutsbesitzerfamilie Uhlig auf dem Burkhardtsdorfer Friedhof um 1920. Der Denkstein wurde bereits 1749 gesetzt; im Sockel sieht man das Original-Fuhrgespann für Salztransporte, deren Wege durch halb Europa führten (1).

Wann wurde der Gedenkstein wirklich gesetzt? Wenn schon nach Michaels Beisetzung 1749 ein Gedenkstein gesetzt wurde, dann war das ein anderer Stein, denn die Inschrift auf dem Stein besagt ja, dass er der Gattin von Carl Friedrich Uhlig gewidmet wurde. Sie hieß Emilie Ernestine Wieland und verstarb 1879. Dieser Carl Friedrich Uhlig (*1818,†1889) ist jedoch nicht der Urenkel des Salzfuhrmannes, sondern dessen Ururenkel. Auf jeden Fall wurde der Grabstein nach 1879 gesetzt. Das erklärt auch die Schreibweise des Nachnamens Uhlig mit "g", diese tauchte erst nach 1815 in den Burkhardtsdorfer Kirchenbüchern auf (2). 

Der Sockel orientiert sich wahrscheinlich an einem Gemälde, auf dem der Salzfuhrmann Michael Uhlich mit seinem Fuhrwerk abgebildet ist. Demnach könnte das Fuhrwerk damals wirklich so ausgesehen haben.

Eine weitere Merkwürdigkeit ist die Aussage "Hier ruhen auch seine sämtlichen Voreltern v. 1552" auf dem Stein. Das traf auf seinen Vater Michael Uhlich Senior zu, aber dessen Vorfahren und er selbst stammten aus Weißbach, wo sie ein Bauerngut besaßen. Seine Ahnen lassen sich zwar bis weit vor 1552 zurück verfolgen, aber wurden die Weißbacher auf dem Burkhardtsdorfer Friedhof begraben? Über seinen Vater schrieb Herr Otto Ende, Pfarrer von Burkhardtsdorf "Im hiesigen Geburtsregister kommt er nicht vor"(2). Daraus geht hervor, dass nur sein Vater im Jahre 1713 in Burkhardtsdorf seine letzte Ruhe fand. 

Relief auf dem Sockel des Denkmals
Relief auf dem Sockel des Denkmals

Nun zu Michael Uhlich's legendären Reisen "Von Wien nach Lüneburg". Eine dieser Legenden bezieht sich auf Wien:

"1683 soll ein Michael Uhlig aus dem Türkenlager vor Wien den ersten Bohnenkaffee nach Kemtau gebracht haben."(3)

Das kann so nicht stimmen, denn der Furhrmann Michael Uhlich war 1683 gerade geboren. Sein gleichnamiger Vater war kein Fuhrmann und kann es auch nicht gewesen sein. Des Rätsels Lösung ist schon in einem anderen Beitrag von Martina Hünlein, Ortschronistin von Burkhardtsdorf, eingehend beschrieben. Das heißt jedoch nicht, dass der Fuhrmann, dem das Denkmal gesetzt wurde nicht in Wien war. Allerdings dürfte so ein Transport nicht alltäglich gewesen sein.

Dem Thema Salztransport aus Lüneburg hat sich Frank Müller aus Klaffenbach in einer historischen Geschichte gewidmet. Er benennt darin die Dauer einer Fahrt mit dem Pferdefuhrwerk von Lüneburg nach Kemtau mit mindestens 10 Tagen und die 390 km der Route führte über Magdeburg, Leipzig und Chemnitz. Nun stellt sich die Frage, warum hat Michael das Salz nicht aus Halle geholt, denn wie der Name schon sagt ist Halle an der Saale ebenfalls eine Stadt mit einer bedeutenden Saline. 

Zweifellos war damals auch Lüneburg Ausgangspunkt des Salzhandels, allerdings führten die Handelswege vorwiegend in Richtung Norden, zu den Küstenstädten um per Schiff weiter transportiert zu werden. Von Halle ging dagegen die bedeutende Salzstraße nach Prag aus. Sie führte über Leipzig, Wurzen, Waldheim an Chemnitz vorbei durch das Erzgebirge über Oederan nach Böhmen. Aber auch die Poststraße von Leipzig nach Chemnitz und Annaberg existierte seit 1696 schon. Sie wurde zu Michaels Lebzeiten weiter ausgebaut und bot sich als Fernhandelsweg geradezu an. 

Warum holte ein Salzfuhrmann aus Kemtau sein Salz also nicht aus Halle, das nur etwa 150 km entfernt war und in ca. 4 Tagen erreicht wurde? Für die Angabe "Von Wien nach Lüneburg" auf dem Denkmal gab es sicher Gründe, vielleicht sogar Belege in Form von Rechnungen oder mündliche Überlieferungen. Auf jeden Fall spielte sich schon vor 300 Jahren das dörfliche Leben in Kemtau nicht nur im Zwönitztal ab. 

Was ist aus dem Grabstein geworden?

Quelle: Bildarchiv Gemeinde Burkhardtsdorf
Quelle: Bildarchiv Gemeinde Burkhardtsdorf

Diese Abbildung zeigt den Burkhardtsdorfer Friedhof nach der Bombardierung am 14. Februar 1945. In der Mitte des Bildes ist der unversehrte Grabstein zu sehen. Er hat mehrere Kriege überstanden und selbst nach dem Bombardement  ragte er standhaft zwischen den Trümmern der Kirchruine hindurch. 

Etwa 1968 wurde der Grabstein von den damaligen Nachkommen der Burkhardtsdorfer Kirchgemeinde geschenkt. Da der Stein schon damals erhebliche Schäden aufwies, transportierte man ihn zwischen Kirche und Sakristei, später in den Glockenturm. Da auch der Denkmalschutz mehrfach Interesse zeigte, wurde er schließlich als Leihgabe ins Chemnitzer Schloßbergmuseum gebracht. Seitdem hört man nichts mehr von seinem Dasein.

Quelle: AG Ortschronik Burkhardtsdorf.

Quellen

(1) Kemtau mit der Ortsteilen Eibenberg, Neu-Eibenberg in historischen Bildern

(2) Geschlechtsregister der seit dem Jahre 1669 erbangesessenen Familie Uhlich in Kemtau, auf Grund der Kirchenregister von Burkhardtsdorf und Kemtau von Herrn Otto Ende, Pfarrer

(4) 550 Jahre dörfliches Leben Kemtau / Eibenberg