Die alten Bauernhöfe im Kemtauer Oberdorf

Das Kemtauer Oberdorf von der Hexenfeuerwiese
Das Kemtauer Oberdorf von der Hexenfeuerwiese

Schaut man bei einer Wanderung über die Hügel von Kemtau auf das Oberdorf hinunter, fallen mehrere große Bauerngüter auf. Sie bildeten einst das wirtschaftliche Zentrum des Ortes und sie haben eine lange Geschichte, die Anfang des 16. Jahrhunderts begann und teilweise bis in die heutige Zeit reicht. In zahlreichen Veröffentlichungen des Zwönitztalkuriers erfährt der interessierte Leser, dass es ursprünglich neun solche Bauernhöfe gab. Immer wieder tauchen dabei die Namen Felsengut, Uhliggut und Lehngut auf. Leider hatte ich nie richtig verstanden, welches der heute noch existierenden Güter welchen Namen hatte, geschweige denn, wo die anderen sechs Güter standen. Dieser Frage möchte ich nun mit diesem Beitrag nachgehen. Da mir selbst die nötigen Informationen fehlen, habe ich mich an die Burkhardtsdorfer Ortschronisten gewandt und Hilfe erhalten.

Die geografische Lage der Bauerngüter

Aus: Zwönitztalkurier September 2014
Aus: Zwönitztalkurier September 2014

Die nebenstehende Karte zeigt das Oberdorf um 1835 basierend auf dem Ausschnitt einer Flurkarte (1). Man erkennt die Lage der ersten neun historischen Bauerngüter im Kemtau. Die Nummerierung ist nicht willkürlich gewählt, sie gibt die Gebäudenummern aus dem alten Brandkataster von Kemtau wieder. Dieses Kataster geht auf die Generalbrandkasse als staatliche Brandversicherung in Sachsen zurück. 1729 gegründet und 1784 neuorganisiert, verpflichtete sie die örtlichen Behörden, alle Gebäude unter einer Katasternummer zu erfassen. Dazu gehörten auch Angaben ihrer Lage, ihres Verwendungszweckes, des taxierten Wertes, der Gefahrenklasse und den Namen des Eigentümers. Die Nummerierung im Kemtauer Oberdorf begann ganz oben mit den Lehngut und wurde mit den weiteren großen Bauerngütern im Uhrzeigersinn fortgesetzt. Die kleineren Häuser folgten mit höheren Nummern.

Nach einer Revision des Feuerversicherungswesens erfolgte um 1839 eine Neuvergabe der Kemtauer Brandkatasternummern. Dieses mal war wieder das Lehngut der Ausgangspunkt, aber nun erfolgte die Nummerierung entgegen dem Uhrzeigersinn und es wurden andere Häuser mit einbezogen. Unabhängig vom Straßennamen wurde diese Brandkatasternummer als Hausnummer verwendet und bis 1965 beibehalten, danach wurden die heutigen Adressen festgelegt. 

Übersicht der alten Bauerngüter

Die Güter hatten in ihrer langen Geschichte teils mehrere Eigentümer, werden aber heute üblicherweise wie folgt bezeichnet:

Alte Nr. Gutsname Neue Nr. Heute Größe Bemerkung
1 Lehngut/Lehngericht 1 Gelenauer Str. 67 1 Hufe  
2 Georg Uhlig /Nietzoldscheune 48   1 Hufe abgebrannt
3 Uhliggut 42 Gelenauer Str. 40 1/2 Hufe  
4 Felsengut 10 Weißbacher Str. 2 3/4 Hufe  
5 Gemeindegut 9 Gelenauer Str. 9 1/2 Hufe  
6 Roschergut 5+6 Gelenauer Str. 47 1/2 Hufe  
7 Listnergut 4 Gelenauer Str. 57 1/4 Hufe  
8 Lohsegut 3 Gelenauer Str. 65 1/2 Hufe abgerissen
9 Kunzgut 2   1/4 Hufe abgerissen

Die Größenangabe Hufe, im Erzgebirge auch als Lehn bezeichnet, war eine mittelalterliche Maßeinheit für Bauerngüter. Eine Hufe war ein Ackerstreifen der meist am Dorfbach oder der Dorfstraße begann und bis in den Wald reichte. Im Kemtauer Oberdorf waren die Hufen sternförmig angelegt. Eine Hufe entsprach dem Land das eine Bauernfamilie ernähren konnte. Je nach Bodenbeschaffenheit, war das regional unterschiedlich. Eine sächsische Hufe entsprach 20 Hektar. In Kemtau wurden jedoch 35 bis 40 ha angegeben (2).

Zu den einzelnen Bauerngütern

Dieser Beitrag zu den Kemtauer Bauerngütern stellt zunächst nur einen Überblick zur geografischen Lage und einer kurzen Historie dar. Detaillierte Informationen und Geschichten folgen nach und nach.

Das Lehngut mit dem Lehngericht

Das ehemalige Lehngut heute
Das ehemalige Lehngut heute

Ganz oben im Oberdorf befand sich das Lehngut von Kemtau mit dem Lehngericht. Der erste Besitzer des Gutes war im Jahre 1501 Peter Puschmann. Er war von 1529 - 1551 auch der Dorfrichter, die Bezeichnung Lehnrichter wurde 1655 erstmals erwähnt. Der Lehnrichter war das Dorfoberhaupt und oberster Richter des Dorfes. Dazu kamen Privilegien, wie das Braurecht, Schankrecht und das Recht Branntwein zu brennen. 

Das Kemtauer Lehngericht um 1900 Quelle: Bildarchiv der Gemeinde Burkhardtsdorf
Das Kemtauer Lehngericht um 1900 Quelle: Bildarchiv der Gemeinde Burkhardtsdorf

Das Gebäude des Lehngerichts stand gleich neben dem Lehngut. Über 200 Jahre wurde das Amt des Lehnrichters von Kemtau in der Familie Wieland vererbt. Sie waren bis zur Abschaffung des Lehnrichteramts im Jahre 1839 Erblehnrichter. Das Haus wurde 1994 abgerissen.

Die folgende Übersicht zeigt die Kemtauer Dorfrichter bzw. ab den Wielands die Lehnrichter (3):

Dorfrichter / Lehnrichter von - bis
Peter Puschmann 1529 - 1551
Georg Puschmann 1553 - 1571
Tomas Hoffmann 1603 - 1605
Georg Uhlich 1607 - 1621
Wolff Uhlich 1621 - 1637
Christoph Wieland (*1606, †1673) 1637 - 1673
Johann Wieland (*1643, †1722) 1673 - 1710
Christoph Wieland (*1676, †1713) 1710 - 1713
Michael Uhlich (*1683, †1749) als Vize-Richter 1713 - 1722
Johann Christoph Wieland (*1699, †1760) 1722 - 1756
Johann Christoph Wieland (*1729, †1795) 1756 - 1795
Johann Christoph August Wieland (*1765, †1829) 1795
Johann Adolph Wieland (*1773, †1855) 1795 - 1835
Adolph Ferdinand Wieland (*1812, †1873) 1835 - 1848

Die Tabelle macht deutlich, dass es einige Unregelmäßigkeiten gab, z.B. fällt auf, dass Johann Christoph Wieland zweimal nacheinander auftaucht. Aus heutiger Sicht eher ungewöhnlich, damals war es völlig normal, dass der erstgeborene Sohn den Vornamen des Vaters erhielt.

Ungewöhnlicher ist, dass der Christoph Wieland von 1710 nur drei Jahre im Amt war und ein Michael Uhlich als Richter einspringen musste. Was war geschehen? Johann Christoph Wieland starb mit 34 Jahren und hinterließ 8 unmündige Kinder. Seine Witwe Anna Regina erbte das Gut aber sein ältester Sohn war erst 13 Jahre alt, deshalb musste Michael Uhlich vom Uhliggut, der ohnehin stellvertretender Richter war, das Richteramt übernehmen. Auch das war also ein ganz normaler Vorgang.

Richtig ungewöhnlich war das Jahr 1795. In diesem Jahr schlug das Schicksal im Hause Wieland unbarmherzig zu. Aus gesundheitlichen Gründen verkaufte Johann Christoph Wieland seine Güter an Johann Christoph August, seinem ältesten Sohn am 12. September. Die eigentliche Amtsübergabe sollte im Januar 1796 erfolgen, doch dazu kam es nicht mehr. Zunächst verstarb die Ehefrau Johanna Sophia am 8. Oktober 1795 und am 30. Oktober der Lehnrichter selbst. Aber damit war das Leid der Lehnrichterfamilie noch nicht zu Ende. Der designierte neue Lehnrichter Johann Christoph August Wieland verlor am 16. November auch noch seine Ehefrau Johanna Dorothea. Nach diesen Schicksalsschlägen wollte er nicht mehr Lehnrichter werden. Das Amt und die Güter übernahm am 21. Dezember 1795 sein erst 22 Jahre alte Bruder Johann Adolph. Er sollte der erfolgreichste Lehnrichter Kemtau's werden.

Das Oberdorf mit Lehngut im Januar 2018
Das Oberdorf mit Lehngut im Januar 2018

Mit Adolph Ferdinand Wieland, dem letzten Kemtauer Lehnrichter, endet die Ära der Wielands als Gutsbesitzer. Ihr Besitz wird zwangsversteigert, wer neuer Eigentümer wird entzieht sich meiner Kenntnis. Eine Fortsetzung der Historie vom Lehngut und Lehngericht folgt hoffentlich bald.

Die Nietzoldscheune

Vom Gut Nr. 2 steht nur noch die Scheune
Vom Gut Nr. 2 steht nur noch die Scheune

Die Nietzoldscheune ist das einzig erhalten gebliebene Gebäude des Gutes neben dem Lehngut. Es war genauso groß wie das Lehngut und wurde 1525 durch Stephan Weiß gegründet. 1571 erbte sein ältester Sohn, der natürlich auch Stephan hieß, das Gut. Es folgte 1603 Hans Weiß und schon 2 Jahre später dessen Sohn Hans. Bis 1655 blieb das Gut im Besitz der Familie Weiß. In diesem Jahr tauchten neue Akteure im Kemtauer Oberdorf auf - die Uhlig's, damals noch Uhlich geschrieben, sollte dieser Name bis heute mit der Kemtauer Geschichte verbunden bleiben.

Er hieß Georg Uhlich (*1625,†1697) und stammte aus Altenhain und kaufte 1655 das Gut von Hans Weiß. Über Georg ist nicht viel bekannt, aber seine Frau Maria, die er zwei Jahre zuvor im Alter von 21 Jahren geheiratet hatte, war die Tochter eines bekannten Gutsbesitzers aus Weißbach. Um das Ganze etwas verwirrender zu machen, hieß die Weißbacher Bauernfamilie auch Uhlich und Maria Uhlich (*1632,†1697) brauchte bei der Hochzeit ihren Namen nicht wechseln. Ihr Vater Michael Uhlich (*1602,†1664) in Weißbach "der Obere" genannt, war Gutsbesitzer in vierter Generation und sein Hof genauso alt wie die Kemtauer Bauerngüter. Maria hatte eine Schwester Elisabeth und zwei Brüder Peter und Michael. Peter erbte das Gut in Weißbach nach dem Tod seines Vaters 1664 und zahlte seine Geschwister aus. Sein Bruder Michael sollte sich später in Kemtau einen Namen machen - im "Uhliggut".

Weg zum Gut des Georg Uhlich, links die Nietzoldscheune
Weg zum Gut des Georg Uhlich, links die Nietzoldscheune

Wie ging es aber weiter um Gut Nr. 2, auch Gut des Georg Uhlich genannt? Georg und Marie Uhlich hatten 6 Töchter und 3 Söhne. Ihr 6. Kind, Georg (*1662,†1720), heiratet eine Rosina Haase. Sie war eine Enkelin von Christoph Wieland, dem Kemtauer Lehnrichter vom Nachbargut. Georg ist ab 1687 der Besitzer des Gutes. Der Sohn von Georg und Rosina, Gottfried (*1694,†1757) Bauer und Kirchenvorstand, wird im Jahre 1724 Gutsbesitzer. Er ist verheiratet mit Anna Rosina Uhle aus Altendorf. Der Sohn von  Gottfried und Anna Rosina, Carl Gottfried, ist der letzte der Uhlich-Söhne, die das Gut inne haben. Carl Gottfried ist ab 1757 Gutsbesitzer. Er ist verheiratet mit Hanna Sophia Viertel aus Jahnsdorf. Ob Carl Gottfried keine Söhne hatte, weiß man nicht. Jedenfalls verkauft er am 17.2.1778 das ganze Hufengut an den Schwiegersohn Johann August Beckert  (*1758,†1841) aus Altchemnitz. Er ist der Ehemann der Tochter Christiana Johanna Uhlich. Der Kaufpreis für das Gut betrug 750 Gulden Meißnischer Währung (fiktive Rechnungseinheit bis 1838).

Das letzte Kapitel des 2. großen Bauerngutes neben dem Lehngut begann 1820. Es stand wieder einmal der Verkauf des Gutes an. Nun sollte auch die Nietzoldscheune ihren Namen erhalten. Johann August Beckert, damals 62 Jahre alt, Gutsbesitzer, Gerichtsschöppe und Kirchenvorstand im Kemtau hatte noch 21 Lebensjahre vor sich als er sein Gut am 18.2.1820 verkaufte. Sein einziger Sohn besaß jedoch schon ein eigenes Gut. So kam als Nachfolger wieder nur ein Schwiegersohn in Betracht. Seine Tochter Christiane Eleonore Beckert, war jedoch noch nicht verheiratet und ihr Verlobter Johann Samuel Nietzold, geboren am 26. September 1801 war gerade mal 18 Jahre alt und damals wurde man erst mit 25 Jahren volljährig. Ihm wurde am 18. Februar 1820 das Gut übertragen. Die Hochzeit fand erst am 18. April 1820 statt. Warum es Johann August Beckert mit dem Verkauf so eilig hatte bleibt ein Rätsel. In Anbetracht des Alters von Johann Samuel, trat dessen Vater, Johann Georg Nietzold, Gutsbesitzer aus Burkhardtsdorf mit in den Vertrag ein. Der Kaufpreis für das gesamte Gut betrug 4000 Reichstaler. Im Brandkataster von Kemtau taucht der Vater als Versicherer auf. Er schließt eine Brandversicherung über das Wohnhaus mit Ställen, die Scheune, das Keller-Seiten-Gebäude und das Kellerhaus ab. Eigentümer war jedoch sein Sohn Johann Samuel Nietzold.

Auf dieser Wiese stand das 2. große Bauerngut von Kemtau
Auf dieser Wiese stand das 2. große Bauerngut von Kemtau

In dieser Zeit der Umbrüche durch die beginnende Industrialisierung scheint sich Johann Samuel als guter Geschäftsmann hervorgetan zu haben. Nach der sächsischen Gemeindereform 1839 wurde er in den ersten Gemeinderat gewählt und galt später als "Spitzenverdiener". Mit einem Bauerngut war damals nicht viel zu verdienen. Felder und ganze Bauerngüter wurden damals verschachert und Spekulanten trieben ihr Unwesen. Ähnlich wie sein Nachbar Adolph Ferdinand Wieland beteiligte sich auch Johann Samuel an solchen Geschäften.

Im Jahre 1843 trat er mit einem Spekulanten-Quartett aus Grünhain in Verbindung. Er verkaufte das Gut für 7900 Taler. Der Vertrag wurde am 28.7.1843 unterzeichnet. Das Gut gehörte von nun an einem Friedrich Christian Fickert. Johann Samuel kaufte dafür die Auenmühle. Nicht einmal einen Monat später erkannte Fickert und Konsorten, dass mit einem Bauerngut nicht der erhoffte Gewinn zu machen war. Sie fanden im letzten Kemtauer Erb- und Lehnrichter Adolph Ferdinand Wieland einen Käufer und verkauften das Gut zum Preis von 9000 Taler am 25.8.1843. Wieland hatte jedoch weniger Glück, sein gesamter Besitz wurde wegen Zahlungsunfähigkeit 1848 zwangsversteigert. Wem der Gutshof nun gehörte ist nicht bekannt. Fest steht, dass im Dezember 1850 ein Brand den Hof vernichtete - nur die sogenannte Nietzoldscheune blieb stehen. Laut Zwönitztalkurier (2) war ein Ofenbrand die Ursache. Zweifel, ob das alles mit rechten Dingen zuging, kommen schon auf. Auch die Frage, ob die Feuerversicherung zahlte und wenn ja, an wen, bleibt offen.

Das Uhliggut

Das Uhliggut entstand 1529 und gehörte zunächst Caspar Cuntze, später dann Michael Uhlich, dem berühmten Kemtauer Fuhrmann. 

Nach der damaligen Hausnummerierung war es das Haus Nr. 3. Im Nachbargut Nr. 2 wohnte bekanntlich seit 1655 Maria Uhlich mit ihrem Ehemann Georg aus Altenberg. Und, wie auch schon erwähnt, hatte sie einen jüngeren Bruder Michael, der wie sie aus Weißbach stammte. Dieser Michael Uhlich (*1638-†1713), ist verheiratet mit Justina Meiner. Im Jahre 1668 zieht Michael mit seiner Frau auch nach Kemtau. Er kauft das Bauerngut Nr. 2, später „Uhliggut“ genannt. Ob der Nachnahme Uhlich oder Uhlig geschrieben wird, hängt vom Jahr der Nennung ab. Seit 1815 wird Uhlig mit "g" verwendet. Lt. Kirchenbuch war Michael Bauer und Gerichtsschöppe. Die Geschwister Michael und Maria sind nun wieder Nachbarn. Michael und seine Frau Justina hatten insgesamt neun Kinder, wobei nur drei das Erwachsenenalter erreichten und selbst eine Familie gründeten. Einer davon hieß natürlich wieder Michael, obwohl er der Jüngste der drei Kinder war. Sein Vater wurde fortan Michael Uhlich Senior genannt um ihn zu unterscheiden. Sein Sohn Michael Uhlich Junior (*1683-†1749) kommt später als Bauer in Kemtau vor, er hat also das väterliche Gut erhalten. Später wurde er als Salzfuhrman oder Landfuhrmann bezeichnet und in Kemtau so berühmt, dass ihm ein Denkmal auf dem Burkhardtsdorfer Friedhof gesetzt wurde.

Aber was bewegte eigentlich einen Bauerngutsbesitzer in der damaligen Zeit nebenbei ein Fuhrgeschäft zu betreiben, bei dem er auf Fernhandelsrouten Tage oder Wochen unterwegs war? Wahrscheinlich war es seine Frau Sophia geb. Schubert, selbst Tochter eines Bauers und Fuhrmannes aus Burkhardtsdorf, die ihn darauf brachte. Es scheint damals nichts Ungewöhnliches gewesen zu sein, denn auch einige seiner Nachkommen wurden Fuhrmänner obwohl sie Besitzer des Uhliggutes waren. Entbehrlich war Michael Uhlich offenbar, hatte er doch zahlreiche Kinder, die zusammen mit Knechten und Mägden den Hof bewirtschafteten konnten. Von seinen 17 Kindern, starben jedoch 13  nach der Geburt oder im Kindesalter. 3 Töchter und einen Sohn erreichten das Erwachsenenalter. Als es um die Weitergabe des Bauerngutes ging, stand nur ein Erbanwärter bereit. Das Gut erbte Michael, der einzige Sohn.

Zufahrt von den Feldern zum Uhliggut 2017
Zufahrt von den Feldern zum Uhliggut 2017

- Michael Uhlich (*1723,†1793) erbte den Hof 1751 und auch er wurde Landfuhrmann. Seine erste Frau Christina Martin aus Dorfchemnitz starb schon mit 39 Jahren. Michael heiratete 1772 zum zweiten Mal die 28 Jahre jüngere Johanne Christiane Uhlig aus Altchemnitz. Mit beiden Frauen hatte er Söhne, jedoch hieß keiner Michael. Sein Sohn aus 2. Ehe Carl Friedrich wurde der Erbe des Uhliggutes.

- Carl Friedrich Uhlich I (*1775,†1849) Bauer und Landfuhrmann führte die Geschäfte ab 1790 und fortan hießen die Söhne erst einmal Carl Friedrich. Zur Unterscheidung wurden sie mit römischen Ziffern nummeriert.

- Carl Friedrich Uhlich II (*1799,†1871) Bauer und Landfuhrmann erbte 1828 den Hof. Ab 1839 wurde er Mitglied des 1. Kemtauer Gemeinderats.

- Carl Friedrich Uhlig III (*1818,†1889) er war Erbbegüterter, Hoferbe des Uhliggutes, Landfuhrmann . Verheiratet war er mit Emilie Ernestine Wieland, diese ist verstorben am 12.7.1879. Anlässlich ihres Todes stiftete dieser Carl Friedrich Uhlich seinem berühmten Ururenkel Michael Uhlich, dem Salzfuhrmann, einen Grabstein auf dem Burkhardtsdorfer Friedhof. 

Das Uhliggut Winter 2018
Das Uhliggut Winter 2018

Fortsetzung folgt

Das Felsengut

Das ehemalige Felsengut im Herbst 2017
Das ehemalige Felsengut im Herbst 2017

Gegründet im Jahre 1529 von Jorgk Kreußingk gehörte es bis 1829 der bekannten Grundbesitzerfamilie Kreußig.  

Januar 2018
Januar 2018

Am ehemaligen Felsengut wird gebaut.

Die Bauerngüter Nr. 5 bis 9

Das Gut Nr. 5 war das Gemeindegut und gehörte der Familie Röder. Vom Roschergut (6), Listnergut (7) und den Lohsegut (8) habe ich momentan keine Informationen. Die Nr. 9 , das Kunzgut, war ein Beigut des Lehngerichts und existiert heute nicht mehr.


Quellen

(1) Aus der Geschichte unserer Heimat / Die Erstbesiedelung Kemtaus, Zwönitztalkurier 09.2014, S. 6

(2) Damals in Kemptau / Kemtau, Zwönitztalkurier 03+04.2012

(3) Zeitschrift für Mitteldeutsche Familiengeschichte / Die Lehnrichterfamilie Wieland in Kemtau (Erzgebirge), Roland Kunick, 2/2012 

(4) 550 Jahre dörfliches Leben Kemtau / Eibenberg